Cyberversicherungen – warum sie trügerische Sicherheit bieten

Cyberangriffe gehören mittlerweile zum Alltag: Ransomware, Phishing, Datenlecks und Betrugsversuche treffen Unternehmen jeder Größe. Steuerkanzleien und andere Dienstleister, die mit sensiblen Daten arbeiten, stehen besonders im Fokus. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Firmen eine Cyberversicherung zulegen – in der Hoffnung, im Ernstfall abgesichert zu sein.

Doch hier liegt ein gefährlicher Trugschluss: Eine Cyberversicherung ersetzt keine wirksame IT-Sicherheitsstrategie. Sie kann finanzielle Folgen abfedern, aber sie schützt nicht vor dem eigentlichen Schaden.


1. Was Cyberversicherungen leisten – und was nicht

Cyberversicherungen versprechen Schutz vor den finanziellen Auswirkungen von Angriffen. Typische Leistungen sind:

  • Übernahme von Kosten für IT-Forensik und Wiederherstellung
  • Zahlung von Lösegeldforderungen (in manchen Policen)
  • Abdeckung von Ausfallzeiten oder Betriebsunterbrechungen
  • Übernahme von Bußgeldern oder Schadenersatzforderungen

Aber:

  • Policen sind oft an strenge Bedingungen geknüpft.
  • Viele Schäden sind ausgeschlossen (z. B. vorsätzliches Handeln, grobe Fahrlässigkeit).
  • Versicherungen übernehmen keine präventive Absicherung.

2. Die Illusion „Wir sind versichert, also sicher“

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist: Mit einer Cyberversicherung sind wir auf der sicheren Seite.
Das Problem:

  • Reputationsschäden lassen sich nicht versichern. Ein verlorener Kunde oder zerstörtes Vertrauen ist nicht ersetzbar.
  • Datenverlust bleibt Datenverlust – auch wenn die Wiederherstellung bezahlt wird.
  • Bußgelder nach DSGVO werden nicht immer übernommen, da sie unter Umständen gar nicht versicherbar sind.
  • Imagekrisen lassen sich durch Geld nicht ungeschehen machen.

Eine Cyberversicherung wirkt hier nur wie ein Airbag – sie mindert die Folgen, verhindert aber nicht den Unfall.


3. Die Bedingungen im Kleingedruckten

Versicherer wissen um die hohen Risiken und sichern sich entsprechend ab. Typische Einschränkungen sind:

  • Sicherheitsauflagen: Unternehmen müssen bestimmte Standards erfüllen (z. B. Firewalls, Verschlüsselung, MFA). Wer diese nicht nachweisen kann, verliert im Ernstfall den Versicherungsschutz.
    Achtung: Darunter fällt oftmals auch die regelmäßige Sensibilisierung der Mitarbeitenden!
  • Haftungsausschlüsse: Schäden durch Mitarbeiterfehler oder Social Engineering sind oft nur eingeschränkt versichert.
  • Selbstbehalte: Unternehmen müssen einen Teil des Schadens selbst tragen.
  • Summenbegrenzungen: Höchstgrenzen für Entschädigungen decken in der Praxis oft nicht den gesamten Schaden ab.

4. Versicherungen fördern keine Resilienz

Ein weiterer Punkt: Eine Cyberversicherung macht ein Unternehmen nicht widerstandsfähiger gegen Angriffe.

  • Das Team bleibt verwundbar für Phishing und andere Social Engineering Angriffe.
  • Veraltete Systeme bleiben verwundbar – auch mit Police.
  • Organisatorische Lücken (fehlendes Notfallmanagement, keine klaren Zuständigkeiten) bleiben bestehen.

Resilienz entsteht nur durch:

  • Präventive technische Maßnahmen
  • Klare organisatorische Prozesse
  • Stetige Sensibilisierung der Mitarbeitenden
  • Ein Bewusstsein, welche Risiken

5. Was Kanzleien und Unternehmen stattdessen brauchen

Eine Cyberversicherung kann Teil einer Sicherheitsstrategie sein, aber niemals deren Kern. Wichtig sind:

  • IT-Sicherheitskonzept mit regelmäßigen Updates und Backups
  • Sensibilisierung für alle Mitarbeitenden
  • Notfall- und Reaktionspläne (Incident Response)
  • Regelmäßige Audits und Penetrationstests
  • Externe Expertise zur Anpassung an aktuelle Bedrohungslagen

Versicherungen können unterstützen – aber nur dann, wenn die Grundsicherheit stimmt.


6. Fazit: Kein Ersatz für gelebte Sicherheit

Cyberversicherungen bieten einen gewissen Schutz vor den finanziellen Folgen eines Angriffs. Doch sie schaffen eine trügerische Sicherheit, wenn Unternehmen glauben, damit sei alles abgedeckt.

  • Technische Schutzmaßnahmen verhindern Angriffe.
  • Organisatorische Regeln strukturieren den Umgang mit Daten.
  • Awareness und Kultur schaffen Sicherheit im Alltag.

Eine Versicherung ersetzt keinen dieser Punkte. Sie ist höchstens das Netz unter dem Seil – laufen müssen Unternehmen selbst.